Władysław Bartoszewski

Infos zu Leben und Wirken des polnischen Publizisten, Politikers und Demokraten. 1911-2015.

Stimmen über Bartoszewski

„Władysław Barto­szewski war ein sehr beein­druckender unbeug­samer Mann. Seine poli­tische Klug­heit, sein schneller Intellekt, sein wacher und umfas­sender Geist, sein Humor und seine mensch­liche Zuge­wandtheit waren einmalig. Sie machten ihn zu einer menschlichen und politischen Autorität. Man musste ihr nicht immer in allem folgen, aber man musste sich immer mit ihr auseinandersetzen.“

Prof. Dr. Gesine Schwan, ehem. Koordinatorin für die deutsch-polnische Zusam­menarbeit, ehem. Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, Kurato­riums­vorsitzende der Theodor-Heuss-Stiftung


"Władysław Barto­szewski ist als Brücken­bauer und Mittler für Deutsch­land und Polen nicht zu erse­tzen. Wir sollten sein Lebens­werk als Auftrag verstehen, im Bemühen um Freiheit und Ver­ständigung nie nachzulassen."

Prof. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a. D., Bundesministerin a. D.


"Władysław Barto­szewski steht für mich für die Gabe, die Gesetze des Alters auf den Kopf zu stellen. Ein polni­scher Patriot und großer Europäer, dessen Mensch­lichkeit selbst Gegner errei­chen und ein­schließen konnte"

Wolfgang Templin, ehemaliger Oppo­sitio­neller, Publi­zist und Autor.


Dass Wła­dysław Barto­szewski, der als ganz junger Mann die Schrecken von Auschwitz erleben musste, wort­wörtlich bis zu seinem letzten Atem­zug für die polnisch-deutsche Aus­söhnung gearbeitet hat - lange Jahre zusammen mit anderen großen Persönlichkeiten wie Stanislaw Stomma, Tadeusz Mazowiecki oder Andrzej Szczypiorski - nötigt allergrößten Respekt ab. Deshalb gilt es, die Erinnerung an ihn gerade auch in Deutschland wach zu halten.

Dr. Wolfgang Pailer, Dol­metscher und Übersetzer, ehemaliger Dolmetscher für die polnische Sprache im Auswär­tigen Amt.


Władysław Barto­szewski

  • war ein KZ-Über­lebender, Wider­stands­kämpfer und Historiker, der die deut­schen Verbrechen in Polen und die historische Leist­ung des pol­nischen Wi­der­stands dokumentierte.
  • W. Barto­szewski förderte als couragierter und enga­gierter Bürger ein demo­kratisches, rechts­staatliches und an freiheit­lichen Werten orien­tiertes Polen in Europa.
  • Er hat durch sein Handeln und seine Haltung, unter anderem als Diplomat und Außen­politiker Impulse für die Aus­söhnung zwischen Deutsch­land und Polen gegeben.

Gegen das Vergessen. Gegen Autori­tarismus und Nationalismus. Für eine demo­krati­0sche Bürger­gesell­schaft.

 

Władysław Barto­szewski wurde am 19. Februar 1922 in Warschau geboren. In seiner Bio­graphie spiegeln sich die Zeitläufte und dramatischen Ver­derungen der europäischen Ge­schich­te. Aufge­wachsen im unabhängigen Polen, als Heranwachsender im KZ und im aktiven Widerstand gegen die deutsche Besatzung. In der Volks­republik Polen oppositionell ein­gestellt und nach der Wende von 1989 engagiert für die polnische Inte­gration im neuen Europa.

Zwei für ihn elemen­taren Aspekten blieb Barto­szewski im Laufe des Lebens treu: Der Erinnerung an Ausch­witz und dem patrio­tischen Engage­ment, mit dem er als junger Mensch im polni­schen Wider­stand gegen die deutsche Besat­zung begann und das er bis zu seinem Tod 2015 fort­führte. Auf seinem Grab­stein wünschte er zwei Worte: »Żołnierz AK« (Soldat der Heimatarmee).

Seine Arbeit als Publi­zist, Diplo­mat und Poli­tiker betrach­tete er als Umsetzung eines Entschlusses, den er einst 1942 im besetzten Warschau im Beisein seines Beicht­vaters Jan Zieja fasste: Weil Gott ihm ermög­lichte, Auschwitz zu über­leben, wollte er sein Leben denen widmen, die ihn am meisten brauchen. In den 1940er Jahren war das der Weg in den Widerstand, in den Jahren darauf der Weg in die Widerständigkeit.

Sich selbst hat er immer als Konser­vativen gesehen, doch eingesetzt hat er sich für eine politische Kultur in Polen, die das freie Wort schätzt, Respekt und Fairness für politische Gegner zeigt und die getragen wird von einer demokratischen Bürgersellschaft.

Als Poli­tiker und Diplomat trug er entschei­dend dazu bei, dass die deutsch-polni­schen Bezie­hungen auf eine neue Grund­lage gestellt wurden. Seine Rede im April 1995 im Deut­schen Bundes­tag zeugt davon.

Dieje­nigen, die mit ihm zusammen­arbeiteten schätzten seinen Humor, seinen scharfen Intellekt und sein Tempe­rament. »Ich renne herum wie ein wilder Tapir«, so beschrieb sich Barto­szewski selbst.


Zu den einzelnen Lebens­abschnitten:

Mein Auschwitz

Mein Auschwitz

Buch: Mein Auschwitz, eine 2015 auf deutsch erschienene Sammlung von Texten Barto­szewskis

Unter diesem Titel wurde das letzte von Barto­szewski in deutscher Sprache veröffent­lichte Buch herausgegeben. Es ist zugleich ein Titel, der viel über ihn sagt, den Über­lebenden des KZ Ausch­witz. Wie Marek Zając, ehemaliger Sekretär des Inter­natio­nalen Auschwitz-Rats, schrieb: Die Erin­­nerung an Ausch­witz sei für Barto­szewski »der Grund für seine uner­​müd​liche Arbeit und eine große treibende Kraft« gewesen.

Am 19. September 1940 wurde er während einer Massen­verhaftung fest­genommen und kam am 22. September im Konzen­trations­lager an. Er war poli­ti­scher Häftling Nummer 4427.

W. Barto­szewski: Häftlingsfoto im KZ Auschwitz
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Nach 199 Tagen und schwerer Krank­heit wurde er aus dem Lager entlassen. Damals war dies noch möglich, sei es, weil jemand Beste­chungs­gelder zahlte oder, weil Firmen inter­venierten, in denen Häftlinge angestellt waren. Zur Ent­lassung von Barto­szewski gibt es drei Mut­maßungen: Das Rote Kreuz, für das Barto­szewski vor der Ver­haftung arbei­tete, sorgte für die Ent­lassung. Oder ein Bekannter der Mutter, ein Deutscher, konnte etwas bewegen. Es ist auch möglich, dass die Polnische Natio­nal­bank, die Arbeits­stelle seines Vaters, die Freilassung erreichte.

Nach der Ent­lassung begann der schwer erkrankte Władysław Barto­szewski das Erlebte zu verar­beiten und fest­zuhalten. Ermutigt von seiner 1944 mit 22 Jahren hin­ger­ichteten Freundin Hanka Czaki, verfasste er 1942 zusam­men mit ihr den den ersten Bericht über das KZ: Ausschwitz. Erinner­ungen eines Häftlings (Pamiętnik Więżnia).

Auch nach dem Krieg setzte er seine Doku­menta­­tionsarbeit fort. Er stellte Listen der Terror­opfer der Deutschen in Warschau zusammen, beglei­tete als Journalist die Exhu­mier­ungen der Massen­gräber (unter anderem in den Wäldern um das Dorf Palmiry), hielt Vorle­sungen und doku­men­tierte das Schicksal der Juden sowie der Hilfe lei­stenden Polen. Daraus ent­standen zahl­reiche Bücher.

Bis zum Lebens­ende enga­gierte sich Barto­szewski im polnischen Gedenk­stättenrat, dem Rat zum Schutz der Erinnerung an Kampf und Märty­rertum (Rada Ochrony Pamięci Walk i Męczeństwa), als Vor­sitzender seit 2001. Nach Barto­szewskis Tod wurde der Rat 2016 auf Betreiben der Regierungs­partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość – PiS) aufgelöst. Er war im Inter­nationalen Ausch­witz-Rat und gründete 2011 die Auschwitz-Birkenau Stiftung mit, deren Auftrag die Erhaltung und Restaurierung der Gedenk­stätte ist.

 
Krieg und Widerstand

Widerstand

Nach der Entlassung aus dem KZ Ausch­witz nahm der 18-Jährige Władysław Barto­szewski Kontakt zu Wider­stands­­kreisen auf. Über die be­reits erwähnte Hanka Czaki kam er in Kontakt zum von Zofia Kossak-Szczucka initi­ierten Żegota-Hilfs­kom­mittee für Juden, einer Wider­stands­organisation. Barto­szewski schloss sich Żegota unter dem Deck­namen Ludwik an.

Barto­szewski im Kreis der Widerstands­organisation Żegota (1. Reihe, 3. v. rechts) während einer Erinnerungs­veranstaltung 1946
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An der Verbor­genen Uni­versität studierte Barto­szewski und 1942 begann er dann für die Unter­grund­zeitschrift Prawda Młodych zu schreiben. Unter dem Decknamen Teofil schloss er sich der Armia Krajowa (Heimat­armee, AK) an. 1944 nahm er am War­schauer Aufstand als Teil der Rundfunk­propa­ganda um den Sender Anna teil. Nach dessen Nieder­schlagung arbeitete Barto­szewskis unter anderem als Sekretär des Informations­bulletins der AK. Er wurde dafür mit dem Tapfer­keitskreuz und dem Verdienst­kreuz in Silber mit Schwertern ausge­zeichnet.

Das brennende Warschau zur Zeit des Aufstands 1944 info@WikiMedia

 
Nachkrieg und Volksrepublik

Nachkrieg

Nach dem Krieg arbeitete Barto­szewski für die Block­partei Polnische Bauer­npartei (Polskie Stronnictwo Ludowe, PSL) und die von ihr herausgegebene gemäßigt oppositionelle Volkszeitung (Gazeta Ludowa).

Barto­szewski im Jahr 1954
Archiv W. Barto­szewski

Im nun stalini­stischen Polen unter dem Regime des Kommu­nisten Bronisław Bierut wurde Barto­szewski bald wieder inhaf­tiert. Zwischen 1946 und 1948 saß er in Warschau im Sicher­heitsamt in der Ko­szykowa-Straße und im Gefäng­nis in der Rakowiecka-Straße ein.

1948 konnte Barto­szewski dann an der Uni­versität Warschau ein Studium aufnehmen. Dieses wurde jedoch durch eine erneute Verhaftung 1949 unter­brochen. Zwischen 1949 und 1954 saß Barto­szewski in Warschau, Rawicz und Racibórz im Gefängnis. Danach setzte er sein Studium einige Zeit fort, konnte es aber aufgrund der poli­tischen Verfol­gung und seiner schweren materiellen Lage nicht abschließen.

Urteils­aufhebung aus dem Jahr 1955
Archiv W. Barto­szewski

Erwähnens­wert ist an dieser Stelle auch Barto­szewskis Engage­ment als Mitbe­gründer der Liga zum Kampf mit dem Rassismus (Ogólnopolska Liga do Walki z Rasizmem). Die Organi­sation ist 1946 auf Ini­tiative ehema­liger Żegota-Mitglieder entstanden. Sie veröffentlichte nach dem blutigen Pogrom von Kielce im Sommer 1946 einen Aufruf gegen den Anti­semitismus. Für diese brachte er die Zeit­schrift Prawo Człowieka heraus, doch ihr Erscheinen wurde jäh durch Barto­szewskis Verhaftung beendet. 1947 geriet die Liga unter stalini­stische Kontrolle und stellte ihr Wirken endgültig 1951 ein.

Im real existierenden Sozialismus

Nach der Frei­lassung und im Zuge des poli­tischen Tau­wetters nach dem Tod Stalins fand Barto­szewski 1955 Arbeit im Polni­schen Biblio­thekars­verband (Stowarzy­szenie Biblio­tekarzy Polskich). Hier waren seine Schwer­punkte der Verlag und die Zeitschrift des Verbands. 1969-1972 war er auch dessen Präsi­diumsmitglied. Barto­szewskis Verbindung mit dem Verband bestand über zwanzig Jahre, bis 1976.

Als Autor arbeitete er 1956-60 für die Zeitschrift Die Hauptstadt (Stolica). Von 1957 an schrieb er auch für die liberal-katholische und weitgehend von der kommuni­stischen Zensur verschonte katho­lische Wochen­zeitschrift Tygodnik Powszechny (TP). Nach seinem Rauswurf aus der Stolica-Redaktion wegen eines Konflikts mit der staatlichen Zensur vertiefte sich diese Zusam­menarbeit. Unter anderem war Barto­szewski Korres­pondent für TP in Warschau. Er schrieb über Bio­grafien Verstor­bener und Artikel zur Ge­schichte des Zweiten Weltkriegs. Seit Mitte der 60er-Jahre gehörten auch deutsch-polnische Themen zu seinen Schwer­punkten, wie die 1965 begin­nenden Be­richte aus Deutschland.

Eine ähnliche Verbun­denheit bestand auch mit der Katho­lischen Universität Lublin. Hier lehrte Barto­szewski zwischen 1973 und 1985 jüngere Geschichte. In den frühen 60er-Jahren knüpfte Barto­szewski als Redakteur für TP erste Kontakte zunächst vor allem mit kirchlichen Kreisen in Deutschland. Dies waren Begeg­nungen orga­nisiert von Znak, der auch im Sejm vertretenen katholischen Laien-Orga­nisation, auf deutscher Seite mit Vertretern von Aktion Sühnezeichen oder Pax Christi. 1965/66 besuchte er das erste Mal die Bundes­republik Deutsch­land.

1963 wurde Barto­szewski auf Initiative des Jüdischen Histo­rischen Instituts das polnische Kavalierskreuz für seinen Einsatz in Żegota verliehen. Im gleichen Jahr nahm er stellver­tretend für Żegota auch die Medaille der Ge­denk­­stätte Yad Vashem entgegen. 1965 wurde ihm diese auch persönlich gewidmet. Diese Medaille und das Tapfer­keitskreuz von 1944 waren ihm von allen Ehrungen und Preisen wohl am wichtigsten.

Ehrenmedaille Yad Vashem, 1965

Lange war Barto­szewski dem PEN Club Polen verbunden, seit 1969 im Vorstand und ab 1972 neun Jahre als General­­sekretär (bis zur Zwangs­schließung des Clubs durch die Regierung im Kriegsrecht). 1995 war er dann sein stell­vertre­tender Präsident, ab 2001 und bis 2010 auch sein Präsident.

Seit 1963 und während seiner Auslands­aufenthalte in Israel und Öster­reich bemühte Barto­szewski sich um den Kontakt zu Radio Free Europe um Tadeusz Żen­czykowski und Jan Nowak-Jeziorański. Unter tätiger Unter­stützung des öster­reichischen Journalisten Kurt Skalnik arbeitete er dann 18 Jahre illegal für das polnische Programm des von der ameri­kanischen Regierung finanzierten Rundfunk­senders. Dieses Engagement brachte Bartos­zewski um 1970 zahl­reiche Verhöre, Durch­su­chun­gen und ein fünf­jähriges Reise­verbot ein, wenn auch der Sicherheits­dienst ihm nichts direkt nachweisen konnte.

Als Mitbe­gründer der Gesell­schaft für wissen­schaftliche Kurse unterstützte er die Opposition (fliegende Universitäten). Zudem publizierte Barto­szewski in Unter­grund­zeit­schriften und enga­gierte sich seit 1980 für die opposi­­tionelle Gewerk­schaft Solidarność, unter anderem als Mitbe­gründer deren Gefan­genen-Hilfskomitees (Komitet Obrony Więzionych za Przekonania). Während des Kriegs­rechts wurde Barto­szewski zusammen mit anderen Oppositio­nellen zwischen Dezember 1981 und April 1982 im Lager Jaworze interniert. Seine Verhaf­tung rief ins­besondere unter Holocaust-Über­lebenden im Auslands große Empörung hervor. Durch den Druck von Stefan Grajek, Überle­bender der Ghetto-Aufstands von 1943, konnte die schnelle Entlassung Barto­szewskis aus der Haft erwirkt werden. Er selbst pflegte scherzhaft zu bemerken, dass er seine »Frei­lassung deutschen Bischöfen und jüdischen Rabbinern« verdanke.

In der Bundes­republik Deutschland

1982/83 ver­brachte er darauf in Berlin und die nächsten Jahre ebenfalls in der Bundes­republik Deutsch­land. Es schloss­en sich Gast­professuren und Lehr­auf­träge in München (1983), Eichstätt (1985-86), München (1986-88) und Augsburg (1988-90) an.

Friedenspreis des deutschen Buch­handels 1986: Präsident R. v. Weizsäcker und W. Barto­szewski
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Die Verleihung des Frieden­spreises des Deut­schen Buch­handels im Oktober 1986 machte die breite west­deutsche Öffent­lichkeit auf Barto­szewski als Historiker, Zeitzeugen und unab­hängige Stimme Polens in der Bundes­republik Deutsch­land aufmerksam. Er veröffentlichte damals den auto­biografi­schen Band Herbst der Hoff­nungen (auch bekannt unter dem Namen Es lohnt sich, anständig zu sein und später wesentlich erweitert). Über das War­schauer Ghetto berichtete er mit: Das War­schauer Ghetto – wie es wirklich war: Zeugen­bericht eines Christen. Anlässlich der Preis­verleihung wurde auch eine Auswahl verschie­dener Barto­szewski-Texte auf deutsch veröffentlicht: Aus der Geschichte lernen? Aufsätze und Reden zur Kriegs- und Nach­kriegs­geschichte Polens.

 
Im demo­kratischen Polen

Im demo­kratischen Polen

Nach 1989 gelang es Barto­szewski, seine viel­­fältigen Kontakte in Polen und Europa zu ver­knüpfen und so Brücken zwischen den Gesell­­schaften zu bauen. Er hatte zahlreiche staatliche und gesell­schaftliche Ehrenämter inne, war in Aufsichts­rats­­funktionen tätig und Empfänger nationaler und inter­natio­­naler Auszeich­nungen.

1990 startete Barto­szewski auf Bitte des ersten de­mo­­kratisch gewählten polnischen Premier­ministers, Ta­deusz Mazo­wiecki, eine diplo­matische Karriere, die ihn bis 1995 als Bot­schafter Polens nach Wien führte. Ebenfalls 1990 entsteht der Inter­nationale Rat des Museums Auschwitz-Birkenau und Barto­szewski wird zu dessem Vorsitzenden (2000 umbenannt in Inter­nationaler Auschwitz-Rat).

1995 wurde Barto­szewski überraschend Außenminister unter Premier Józef Oleksy von der Partei Ver­einigte Links­demokraten (Sojusz Lewicy Demo­kratycznej, SLD). Zwischen 1997 und 2000 war er Senator und Vorsitzender der Senats­kommission für die Europäische Integration (als Partei­loser über die Liste der liberalen Partei Unia Wolności). Parallel arbei­tete er für die Polnische Robert-Schuman-Stiftung (Polska Fundacja im. Roberta Schumana). Zum wieder­holten Mal wurde Barto­szewski im Jahr 2000 Außen­minister Polens, nun im Kabinett des Premiers Jerzy Buzek von der konser­vativen Wahl­aktion Solidarität (Akcja Wyborcza Soli­darność, AWS).

In den letzten Jahren seines Lebens widmete sich Barto­szewski intensiv der Arbeit an biogra­fischen Büchern.

Zugleich mischte er sich zu­nehmend auch in die Tages­politik ein. Dazu bewog ihn zuerst die Außen­politik der 2006 geschlos­senen Koalition rechter Parteien Prawo i Sprawied­liwość/­Samo­obrona/­Liga Polskich Rodziń. So entstand eine enge Zusammen­arbeit Barto­szewskis mit der opposi­tionellen Bürger­plattform (Platforma Obywa­telska, PO). Unter anderem war er der Vorsitzende ihres Ehrenrats.

Nach dem Sieg der PO bei den Wahlen von 2007 war Barto­szewski bis 2015 Staats­­sekretär in der Kanzlei des Premier­­ministers und arbeitete unter Donald Tusk und Ewa Kopacz als Bevoll­mächtigter für Angele­genheiten des inter­natio­nalen Dialogs. Am 24. April 2015 verstarb Władysław Barto­szewski mit 93 Jahren.

Letzter Arbeitsplatz Barto­szewskis im Ministerrat als Staatssekretär
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Bücher und Artikel

Widerstand
  • Straceni na ulicach miasta; Warszawa 1970 🇵🇱
  • Dni wal­czącej stolicy; Kronika Powsta­nia War­szaw­skiego; London 1984, Warszawa 1984 (Nachdr.), Warszawa 1989, 2004, 2008 🇵🇱
  • Kronika wydarzeń w Warszawie 1939-1949; Mit Bogdan Brzeziński und Leszek Moczulski; Warszawa 1970 🇵🇱
  • 1859 dni Warszawy – Mit Bei­trägen von A. Gieysztor, Z. Steczowicz-Sajderowa und Z. Bartoszewska; Kraków 1974; 2. erw. Aufl. 1984; 3. erw. u. verb. Aufl. 2008 🇵🇱
  • Opusz­czeni boha­terowie Powstania Warszawskiego – Mit Foto­grafien von Adama Bujak und Eugeniusz Lokajski; Kraków 2008 🇵🇱
  • Powstanie Warszawskie – Warszawa 2009, 2014 🇵🇱
  • Doświad­czenia lat wojny 1939-1945 – Kraków 2009 🇵🇱
  • Polacy, Żydzi, Okupacja – Postum veröffentl.; Kraków 2016 🇵🇱
Deutsche Verbrechen
  • Prawda o von dem Bachu; Warszawa 1961 🇵🇱
  • Warszawski pierścień śmierci 1939-1944; Warszawa 1967 🇵🇱
  • Der Todesring um Warschau 1939-1944; Warszawa 1969 🇵🇱
  • Palmiry; Warszawa 1969 🇵🇱
  • Das War­schauer Ghetto – wie es wirklich war – Zeugenbericht eines Christen; Frankfurt a. M. 1983 🇩🇪
  • The Warsaw Ghetto; Boston 1988; London 1989 🇬🇧
  • Mój Auschwitz – Kraków 2010 🇵🇱
  • Mein Auschwitz – Paderborn 2015 🇩🇪
  • Los Żydów Warszawy 1939-1943; W 40. rocz­nicę powstania w getcie war­szawskim; London 1983, 1988; Lublin 1993 🇵🇱
  • The Jews in Warsaw; Oxford 1991 🇬🇧
Juden, Polen und Deutsche
Opposition
  • Metody i praktyki Bezpieki w pierwszym dzie­się­cio­leciu PRL; Veröffentl. unter dem Pseudonym Jan Kowalski; versch. Auflagen 1985/86 🇵🇱
  • Na drodze do nie­pod­ległości; Paris 1987 🇵🇱
  • Dziennik z inter­nowania. Jaworze 15.12.1981-19.04.1982; Warszawa 2006, 2011 🇵🇱
  • Pod prąd. Moje środowisko niepokorne 1945-55. Wspomnienia dziennikarza i więźnia; Warszawa 2011 🇵🇱
  • Wiosna jesienią – Październik ’56. Moje środowisko niepokorne 1955-63; marzenia, nadzieje, rzeczywistość; Warszawa 2012 🇵🇱
  • Syndykat zbrodni; Mit Urszula Doro­szewska unter dem Pseu­donym ZZZ veröffentlicht; Paris 1986; Warszawa 2016 🇵🇱
  • Kryptonim »Bonza« – Mit Michał Komar; War­szawa 2015 🇵🇱
Deutsch-Polnische und inter­nationale Beziehungen
  • Ponad pod­ziałami. Wybrane prze­mó­wie­nia i wywiady - lipiec-grudzień 2000; Polni­sches Außen­mini­sterium; War­szawa 2001 🇵🇱
  • Wspólna euro­pejska odpo­wied­zialność. Wybrane prze­mówienia i wywiady, styczeń-lipiec 2001; Polni­sches Außen­ministerium; War­szawa 2001 🇵🇱
  • Und reiß uns den Hass aus der Seele: Die schwie­rige Aus­söhnung von Polen und Deut­schen; Warszawa 2004 🇩🇪
  • O Niemcach i Polakach. Wspom­nienia. Prognozy. Nadzieje; Kraków 2010 🇵🇱
  • Kropla drąży skałę? Co mówiłem do Niemców i o Niemcach przez ponad pół wieku – Warszawa 2011 🇵🇱
  • Bóg, Honor, Obczyzna. Przyjaciele znad Jordanu i Tamizy – Mit Michał Komar; Ersch. i. d. Serie na dwa głosy; War­szawa 2014 🇵🇱
Biographisches
Aufsätze und Gesammeltes
  • Aus der Geschich­te lernen? Auf­sätze und Reden zur Kriegs- und Nach­kriegs­geschich­te Polens; Mit einem Vorwort von Sta­nisław Lem; München: 1986 🇩🇪
  • Kein Frieden ohne Frei­heit. Be­trach­tungen eines Zeit­zeugen am Ende des Jahr­hun­derts; Baden-Baden 2000 🇩🇪
  • To, co najważniejsze – Gespräche mit verschie­denen Ge­sprächs­partnern; Warszawa 2012 🇵🇱
  • Życie trudnie, lecz nie nudne – Kraków 2010 🇵🇱
  • Pisma wybrane 1942-1957, Tom I; Kraków 2007 🇵🇱
  • Pisma wybrane 1958-1968, Tom II; Kraków 2007 🇵🇱
  • Pisma wybrane 1969-1979, Tom III; Kraków 2009 🇵🇱
  • Pisma wybrane 1980-1990, Tom IV; Kraków 2010 🇵🇱
  • Pisma wybrane 1991-2001, Tom V; Kraków 2011 🇵🇱
  • Pisma wybrane 2002-2012, Tom VI; Kraków 2013 🇵🇱
 

Engagement für Barto­szewski


Barto­szewski-Initiative: Diskussion mit Wolfgang Templin, Marcin Barcz, Nils-Eyk Zimmermann - B. Lipinska-Leidinger

Gesellschafts­politisch
Öffentlicher Raum

In Polen wird in verschie­denen Orten an Barto­szewski erinnert:

  • Lublin: Skwer Władysława Barto­szewskiego
  • Warszawa: Skwer Władysława Barto­szewskiego
  • Warszawa: Gedenktafel in der ul. Grójecka 104
  • Warszawa: Sala im. Barto­szewskiego am Sitz des Bürgerbeauftragten der Republik Polen
  • Warszawa: Barto­szewski-Saal in der Deutschen Botschaft
  • Kraków: Skwer prof. Władysława Barto­szewskiego
  • Oświęcim: Saal im Internationalen Jugendbegegenungshaus
  • Opole: Skwer Władysława Barto­szewskiego
  • Gdańsk: Plac Władysława Barto­szewskiego
  • Sopot: Gedenktafel in der ul. Powstańców Warszawy 29
  • Sopot: Denkmal (in Umsetzung)
  • Szczecin: Denkmal (in Umsetzung, auf Initiative von KOD), Aktion: Barto­szewski-Findlinge
  • Łódż: Aleja Władysława Barto­szewskiego
  • Szczecin: Denkmal
  • Józefów: Ulica Barto­szewskiego
  • Namysłów: Park im. Władysława Barto­szewskiego
  • Wrocław: Rondo Władysława Barto­szewskiego
Ausstellungen
  • Władysław Barto­szewski 1911-2015: Die Ausstellung widmet sich dem Lebenswerk von Władysław Barto­szewski. Erstmals wurde sie im September 2015 im Warschauer Sitz der polnischen Regierung der Öffentlichkeit präsentiert. Sie besteht aus 12 dreidimensionalen Elementen. Aktuell wird sie in Deutschland an verschiedenen Orten gezeigt.
  • O ludzkiej kondycji w czasach ekstremalnych (Über die Menschlichkeit in extremen Zeiten): Ausstellung der Stiftung Władysław Barto­szewski Institut.
  • Władysław Barto­szewski. Krzywda – przebaczenie – współpraca (Leid, Versöhnung, Zusammenarbeit). Entstanden auf Initiative des Allgemeinbildenden Liceums in Tarnowskie Góry.
  • Misja: Polska. Jan Nowak-Jeziorański & Władysław Barto­szewski (Mission: Polen. Jan Nowak-Jeziorańsk & Władysław Bartozewski): Dauerausstellung im Muzeum Pana Tadeusza des Ossolineums, Wrocław.
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Małgorzata-Stoklosa-Preisner (Ossolineum)
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Ausstellung WB 1911-2015
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Ausstellung WB 1911-2015
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Ausstellung WB 1911-2015
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Ausstellung WB 1911-2015
Barto­szewski-Initative

Mit einer Ausstellung und Aktivitäten in Berlin wurde die Barto­szewski-Initiative seit 2018 aktiv. Als einer von sieben Koordinatorinnen und Koordinatoren setze ich mich dafür ein, dass der Name Barto­szewski in Deutschland nicht in Vergessenheit gerät, dass demokratisches Engagement in seinem Namen gefördert wird und dass der nationalistisch gefärbten Geschichtspolitik in Polen eine andere entgegengestellt wird, die von unten getragen wird und alle Polinnen und Polen einschließt. Die Barto­szewski-Initiative befindet sich unter dem Dach der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin.

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Lesung und Diskussion in der Buchhandlung buch|bund.
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Rita Süssmuth - Mein Barto­szewski
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Ausstellung im Alten Rathaus, Magdeburg
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Pulse of Europe: Wolfgang Templin, Małgorzata Patron

 
 

"Was ich besonders wichtig finde, ist das Bemühen um eine "neue Erinnerungs­kultur" und der zukunfts­orientierte Charakter der Initiative. Genau darum soll es gehen!"

Marcin Barcz, langjähriger persönlicher Referent W. Barto­szewskis.

 
 

Kontakt

Wenn Sie über das Engagement für Władysław Barto­szewski in Deutschland und Polen auf dem Laufenden gehalten werden wollen, mir Anregungen mitteilen möchten oder Hinweise haben, freue ich mich über Ihre Rückmeldung:

Kontakt  

Über mich

"Ich möchte die Vision Barto­szewskis für die zukünftigen deutsch-polnischen Beziehungen nutzbar machen. Aus seinem Geist kann diese Erneuerung gelingen."

Nils-Eyk Zimmermann, Mitgründer und Koordinator der Barto­szewski-Initative in Berlin. Autor, Berater und Programm-Manager um die Themen Zivil­gesellschaft, Nicht­regierungs­organisationen und kompetenz­orientierte Bildung. Aktuell beschäftigt er sich mit dem Thema "Demokratische Resilienz". Mehr: Blog: Civil Resilience


Impressums­angaben

Nils-Eyk Zimmermann
Zeppelinplatz 6a
13353 Berlin

kontakt@bartoszewski.info
Tel: +49 (1520)6504225

Verantwortlich: Nils-Eyk Zimmermann, Koordinator der Barto­szewski-initiative
 

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